01.09.2026 bis 31.08.2031
Als dezidiertes Projekt der Implementationswissenschaft adressiert “ACTS” die hohe Prävalenz des Tabakkonsums und die daraus resultierende Belastung durch nicht-übertragbare Krankheiten (NCDs) in Georgien, Armenien, Serbien und Albanien. Ein zentrales Problem in den Gesundheitssystemen dieser Länder besteht in der mangelnden systematischen Integration bereits evidenzbasierter Tabakentwöhnungsprogramme in die primäre und fachärztliche Regelversorgung. Ziel der Studie ist es daher nicht, eine neue Therapie zu entwickeln, sondern diese Implementierungslücke durch die wissenschaftlich fundierte und begleitete Integration von Leitlinien-basierten Versorgungsmodellen zu schließen.
Um den Fokus auf die Implementationswissenschaft zu realisieren, nutzt das Projekt ein pragmatisches Forschungsdesign in Form einer länderübergreifenden, multizentrischen, cluster-randomisierten kontrollierten Studie (Wait-List cRCT). An 34 Standorten der Primär- und Spezialversorgung werden 1.700 Patientinnen und Patienten rekrutiert. Die untersuchte Intervention besteht aus einem multimodalen Paket, das strukturierte verhaltenstherapeutische Unterstützung, evidenzbasierte Pharmakotherapie und digitale Gesundheitsanwendungen kombiniert. Die Anpassung an den jeweiligen nationalen Kontext erfolgt theoriegeleitet anhand des “Consolidated Framework for Implementation Research” (CFIR), einem zentralen und international anerkannten Modell der Implementationswissenschaft.
Die begleitende Evaluation stützt sich auf das RE-AIM-Rahmenwerk und analysiert simultan die klinische Wirksamkeit (biochemisch verifizierte Rauchabstinenz) sowie entscheidende Implementierungsparameter und gesundheitsökonomische Effekte. Als zentrales Projektergebnis wird ein validiertes Modell zur integrierten Entwöhnungsbehandlung entwickelt. Die Resultate werden in einem “Implementation Playbook” und einem “Policy Toolkit” zusammengefasst, um politischen Entscheidungsträgern evidenzbasierte Strategien für eine nachhaltige Verankerung in den jeweiligen Gesundheitssystemen bereitzustellen.
Das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) fungiert in diesem aus 12 Partnern und 9 Ländern bestehenden EU-Konsortium als Projektkoordinator und zentraler wissenschaftlicher Knotenpunkt für die Sucht- und Implementationswissenschaft. Das Hamburger Team teilt sich die wissenschaftliche und administrative Leitung (Work Package 1) mit der Ilia State University in Georgien und stellt damit ein partnerschaftliches Forschungsmodell sicher.
Ein weiterer Schwerpunkt des ZIS liegt in der Leitung der finalen Evaluation und Datenanalyse (Work Package 5). Das Hamburger Forschungsteam ist hauptverantwortlich für die statistische Auswertung der klinischen Wirksamkeit der Intervention. Zudem verantwortet das ZIS die systematische Synthese aller quantitativen und qualitativen Evaluationsdaten (inklusive gesundheitsökonomischer Analysen), um daraus die finalen wissenschaftlichen Empfehlungen für eine Skalierbarkeit des Modells abzuleiten. Auch das zentrale Forschungsdatenmanagement nach FAIR-Prinzipien und die Koordination der übergeordneten ethischen Überwachung fallen in den Aufgabenbereich des ZIS“.
Horizon Europe