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Prävention und Behandlung von Suchtproblemen bei Geflüchteten (PREPARE)

2019-2024 (laufend)

Beschreibung/ Description

BMBF-Verbundprojektes PREPARE

Prävention und Behandlung von Suchtproblemen bei Geflüchteten

Im Rahmen der Förderinitiative zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) startete Anfang Februar 2019 das fünfjährige Verbundprojekt PREPARE (Prevention and Treatment of Substance Use Disorders in Refugees). Das Projekt widmet sich der Prävention und Behandlung von Suchtproblemen bei Personen mit Fluchthintergrund und setzt sich aus vier Teilprojekten rund um das Thema Sucht & Flucht zusammen.

Beteiligt sind neben dem Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg das den Forschungsverbund koordiniert (Prof. Dr. Ingo Schäfer), die Katholischen Hochschule NRW, die Technische Universität Berlin, die Charité — Universitätsmedizin Berlin und die Hochschule Emden/Leer sowie deutschlandweite Praxispartner in den Metropolregionen Hamburg, Berlin, Köln, Hannover, Bremen Frankfurt und München. Hintergrund des Forschungsprojektes ist die Notwendigkeit der rechtzeitigen Hilfe für in Deutschland angekommene geflüchtete Menschen; diese stellen eine besonders vulnerable Population dar, die bisher nur unzureichend durch im Land bestehende Hilfesysteme erreicht wird.

Ein erstes Teilprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Heinz, Charité — Universitätsmedizin Berlin, befasst sich mit einem besseren Verständnis von Suchtproblemen bei geflüchteten Menschen.

Mithilfe einer Methodik, die bereits in zahlreichen Projekten der WHO zur Erhebung von spezifischen Problemen bei verschiedenen Zielgruppen eingesetzt wurde („Rapid Assessment and Response“) werden Erkenntnisse zur Prävalenz von Suchtproblemen bei Geflüchteten, zu möglichen Subgruppen mit speziellen Bedarfen sowie zu den Bedarfen des Hilfesystems im Umgang damit gesammelt. Über diese Methodik ist auch die LWL-Koordinationsstelle Sucht in Münster am Teilprojekt beteiligt. Weitere Arbeitspakete bestehen in der Auswertung von Routinedaten aus der Suchtberatung  und -behandlung, sowie in einer Befragung von Fachleuten zu guter Praxis bei der Beratung und Behandlung von geflüchteten Menschen mit Suchtproblemen.

Das zweite Teilprojekt, geleitet von Prof. Dr. Jutta Lindert, Universität Emden, wird sich mit der Diagnostik von Suchtproblemen bei geflüchteten Menschen befassen.

Dazu erfolgt zunächst eine systematische Bestandsaufnahme der Instrumente, zu denen bei dieser Zielgruppe bereits Erkenntnisse vorliegen bzw. die spezifisch an die Erhebung von Suchtproblemen bei Personen mit Fluchthintergrund angepasst wurden. Die verfügbaren Instrumente sollen mit Hilfe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), die als Disseminationspartner am Verbundprojekt beteiligt ist (s.u.), Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis zur Verfügung gestellt werden. Weiter wird im Teilprojekt ein kulturell adaptiertes Instrument zur Erhebung von Suchtproblemen bei Menschen aus Syrien, die nach wie vor die größte Gruppe von Geflüchteten in Deutschland bilden, entwickelt. Weitere Teilprojekte des Verbundes sollen genutzt werden, um das neu erstellte Instrument im Verlauf empirisch zu validieren.

Im dritten Teilprojekt („BePrepared“) beteiligt sich das Deutsche Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Klein an dem Verbund.

In Kooperation mit fünf Praxispartnern aus dem Rheinland und dem Distributed Artifical Intelligence Laboratory (DAI) der Technischen Universität Berlin entwickelt, erprobt und evaluiert das DISuP eine kultursensible Smartphone-Applikation zur indizierten Prävention von problematischem Alkohol- und Cannabiskonsum und Förderung der psychischen Gesundheit für in Deutschland angekommene geflüchtete Menschen. Die Zielgruppe im Projekt „BePrepared“ sind junge, geflüchtete Männer aus den Herkunftsländern Syrien, Irak und Afghanistan. Auf Fokusgruppentreffen mit Betroffenen und Fachkräften wird das innovative Präventionskonzept inhaltlich entwickelt.  In Zusammenarbeit mit KulturmittlerInnen und ÜbersetzerInnen vom Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e. V. werden kulturelle Differenzen überbrückt und die geplanten Inhalte der App (u.a. eine kultursensible Psychoedukation und interaktive Selbsthilfemodule wie zum Beispiel ein Substanzkonsumtagebuch) nicht nur in fünf Sprachen übersetzt, sondern insbesondere kulturell adaptiert.

Das vierte Teilprojekt, geleitet von Prof. Dr. Ingo Schäfer und Dr. Annett Lotzin, Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg, befasst sich mit der Entwicklung und Evaluation eines Behandlungsprogrammes für Geflüchtete Menschen mit psychischen Belastungen nach traumatischen Erfahrungen und Suchtproblemen.

Die Intervention wird in einem kultursensitiven Gruppenprogramm bestehen. Dessen Basis bildet eine Intervention, die im Psychosozialen Behandlungszentrum „refugio“ in München bereits erfolgreich eingesetzt wird („STARC“). Sie wird durch das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) an zusätzliche Suchtprobleme angepasste und in sechs Metropolregionen (Hamburg, Berlin, Bremen, Hannover, Frankfurt und München) durch kooperierende Suchthilfeträger für syrische und afghanische Geflüchtete dolmetschergestützt angeboten. Es wird erwartet, dass sich positive Effekte der Intervention sowohl auf den Substanzkonsum als auch auf Symptome psychischer Belastung zeigen.

Beschreibung des Teilprojekts 4 (UKE AG Trauma und Stressforschung)

STARK-SUD – Ein integrativer kultursensibler Gruppentherapieansatz zur Verbesserung der Affektregulation für Geflüchtete mit traumatischen Erfahrungen und substanzbezogenen Störungen

Hintergrund

Geflüchtete mit posttraumatischer Belastung und riskantem Suchtmittelkonsum oder bestehender Suchterkrankung stellen eine gefährdete Gruppe von Geflüchteten da, für die nur wenige präventive und therapeutische Maßnahmen zur Verfügung stehen. Die Behandlung von Geflüchteten beinhaltet komplexe Herausforderungen, wie etwa kulturelle und sprachliche Barrieren, die angemessen berücksichtigt werden sollten. Das Ziel der Studie ist es, die Wirksamkeit eines integrativen kultursensiblen Gruppentherapieansatzes (STARK-SUD) zur Verbesserung der Affektregulation bei Geflüchteten zu untersuchen, die traumatische Erfahrungen und substanzbezogene Störungen aufweisen.

Methode

In die Studie werden n = 286 männliche Geflüchtete mit psychischer Belastung (GHQ-12 > 13) und mindestens riskantem Substanzkonsum (AUDIT > 7 oder DUDIT > 6) eingeschlossen, die vor oder während der Flucht traumatischen Ereignissen ausgesetzt waren. Die Intervention wird Geflüchteten dolmetschergestützt in Suchthilfeeinrichtungen in sechs Metropolregionen in Deutschland angeboten. Die Wirksamkeit von STARK-SUD wird mit den üblichen Standardmaßnahmen nach Interventionsende sowie drei Monate später verglichen. Primärer Endpunkt ist dabei die Schwere der psychischen Belastung (GHQ-12). Ergebnisse: Es wird davon ausgegangen, dass dieser Ansatz die psychische Belastung bei Geflüchteten stärker reduzieren kann als die Standardmaßnahmen für Geflüchtete mit Suchtproblemen.

Schließlich ist die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm als Disseminationspartner maßgeblich am PREPARE-Verbund beteiligt. Dazu wird die DHS eine Internetplattform aufbauen, die Ressourcen zur Beratung und Behandlung von Geflüchteten bereitstellt. Weiter werden jährliche Experten-Workshops stattfinden und die Thematik auf den DHS-Fachkonferenzen berücksichtigt werden.

Projektleitung / Project Coordinator

Beteiligte MitarbeiterInnen/ Involved Researchers

Förderung/ Funding

BMBF

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